27.7.13

Island Laufreise 9. und 10.Tag ein Tag in Reykjavik zur freien Verfügung


Aufwachen in einem richtig guten Bett. Draußen ist ein Flughafen. Hab ich gestern noch gar nicht gesehen. Die machen Lärm. Egal. Das Bett ist groß und weich. Ich verzichte auf das Frühstück im Hotel und bleibe liegen.

Kaffee trinken und liegen bleiben. Nichts weiter. Nicht gehen. Nicht laufen. Nicht dehnen. Nicht stecken. Nicht recken. Nichts. Kaffee trinken und liegen bleiben. Und an die Decke starren. Das Hotelzimmer ist weiss. Kein Bild. In Island hört man nicht Radio im Auto. Man schweigt. Deshalb sind die Wände auch weiss. Deshalb schweigen die Wände.

Ich huste. Die Erkältung nimmt ihren Lauf. Das war mir klar. Teilweise hatten wir in den letzten Tagen Temperaturunterschiede von 20°. Und das manchmal innerhalb von einer halben Stunde. Die Sachen sind nass und man friert und dann schwitzt man und dann friert man wieder. So schnell kannst du dich gar nicht umziehen, wie sich das Wetter ändert. Aber das liegt in der Natur der Sache. Und die Natur wollten wir doch kennen lernen, oder? Also!

Immer wenn ich nicht richtig weiter weiß fasse ich einen Beschluss. Beschlüsse fassen ist leichter als zu lange zu überlegen. Wenn man zu lange überlegt kommt mann ins grübeln. Und grübeln macht doof. Also beschließe ich nun meinen Husten unwichtig zu finden und mich auf zu Hause zu freuen. 

Rosalie schreibt mir. Sie machen sich Sorgen, denn ich schreibe nichts. "Wie auch" schreibe ich zurück, ich hatte nie Internet. Geschweige denn Strom. Ich lebe gerade auf dem Mond zwar auf einem sehr schönen Mond, aber auf dem Mond. Sie schreibt zurück sie hätte sich ein Kleid gekauft, Mama auch. Antonia einen Hosenanzug. Ich schreibe zurück: "Braucht man das für die Schule"? und sie antwortet "Na klar, das schärft das Denken." Wir lachen über 2500 km voneinander entfernt über einen blöden Witz und mir kommt eine kleine Träne. Den Humor hat sie von mir geerbt denke ich, den Humor hat sie von mir. Oder von Jana. Natürlich von Jana. Egal, jedenfalls freue ich mich wie blöd auf zu Hause. 

11:00 Uhr
Es klopft an die Zimmertür. Ein junges Mädchen, eine Asiatin, fragt in schlechtem Englisch, wann ich das Zimmer verlassen würde. Ich brauche noch 1 Stunde antworte ich in ebenfalls schlechtem Englisch. Sie nickt freundlich und ich bin erleichtert. 

Packen! Jetzt packen! Das kann ich überhaupt nicht. Laufen ist leichter als packen. Packen ist das schlimmste, schlimmer als bügeln.

13:00
Ósk holt uns mit dem weißen Skoda ab und fährt uns ins Einkaufszentrum. Wir kaufen ein paar Sachen für zu Hause.


15:30
So richtig weiß ich nichts mit Reijkjavik anzufangen. 1915 ist hier alles nieder gebrannt. Danach einigte man sich auf Holzhäuser zu verzichten. Die hiesige Architektur ist auf den ersten Blick etwas spröde und ungemütlich. Das Wesentliche bleiben die Isländer selbst und hre Gelassenheit auf den Straßen und in den Cafes. 


Wollen sie den WLAN Schlüssel wissen?, 
fragt mich die Kellnerin. "Gerne", "I love you", "Gut, das kann ich mir merken".

Ich tippe ins Handy die Erlebnisse der letzten Tage, um sie später zu bloggen. Drei Stunden und drei Kaffeetassen später droht die Blase zu platzen. Nur ungern nehme ich Abschied von meinem Kaffee und beschließe ins Hotel zu gehen.


Das Licht, das Licht ist hier wirklich anders. So ungefiltert. So hell. 


Ich durchwandere die Straßen und verlaufe mich. Ich verlaufe mich immer, beschließe aber mich nicht zu ärgern. Ich habe Zeit. Es ist 18.00 Uhr und in vier Stunden holt Ósk uns vom Hotel ab.

19:00
Im Hotel ist das WLAN Paradis und eine Steckdose neben meinem Stuhl. Ich lehne mich zurück und tauche in die Tage ein wie in ein Wasser. Tief versunken schreibe ich und der ganze Film läuft vor mir ab. Der Bus in Dresden, die Angst im Stau, der Flughafen in Tegel, Düsseldorf, der erste Moment nachts auf Island und die kaputte Scheibe vom weißen Oktavia, die Berge und ihre Farben, der Schnee, die Hütten, die heißen Quellen und mystischen Schlammlöcher, das weite großzügige Anwesen von Ósk's Eltern, die Birkenwälder davor, die Geysire und die dampfende Lava, der Rauch in den Bergen und der dumpfe Klang im Nebel, das Atmen der Läufer, die von Volkmar verhassten Dehnübungen, die Wasserfälle, der Fisch, das rauchige Brot, der ewig rote Jeep und Hjalmarrs sonore Stimme bei der wir einschliefen, Martin der "schwule Peruaner" und sein heiß begehrter Fotoapparat, Sonjas alles übertönende Lache, der ewige Sand, die endlose Weite der Wüste, das applaudieren der Wanderer am Wegesrand, der hasserfüllte Blick des Bademeisters, die Heavy Metall Musik am Kinderbecken, die Schweißtropfen und das Gestöhn am Hang, der Schwarze Tod, die vielen, vielen guten Gespräche mit Ósk und Hjalmarr und schließlich die große unendliche Badewanne mit allen Sprachen dieser Erde.

22:15
Wir fahren zum Flughafen, trinken Bier und Ósk malt mit einem Stift die Route auf Volkmar's Landkarte. Sonja über spielt die Fotos von einer Chipkarte in ihren Laptop. Sie hat alles zusammen getragen. Insgesamt haben wir 2500 Fotos. Wir umarmen uns lange und herzlich. Alle sind sichtlich berührt. Wann wird man sich wieder sehen? "Morgen fährt Wille nach Marseille, ich werde noch packen müssen."

0:25
Nach Mitternacht. Der zehnte Tag unserer Lauf Reise beginnt. Wir sitzen im Flugzeug nach Berlin. Wenn alles gut geht, bin ich gegen Mittag in Dresden. Eine lange Reise liegt hinter uns, die doch nur zehn Tage gedauert hat. Wie schnell alles geht. Wir sind in sieben Tagen 187,41 km gelaufen und haben dabei 7500 Höhenmeter zurückgelegt.
Die isländische Sprache zu sprechen ist schwer, aber dem Land zu begegnen ist ganz einfach. Man muss nur offenherzig sein. So wie die Menschen selbst.


Ich schaue auf das letzte Foto das ich am Flughafen gemacht habe. Es ist ein Ölgemälde. Es hing unbeachtet an der Seite eines langen Ganges im Flughafengebäude. Ich habe den Namen des Künstlers vergessen. Aber wie es da so hing, da tat es mir leid. Ich fand es gut gemalt und sehr getroffen. 


Island Laufreise 8.Tag von Pórsmörk in die Lavafelder des Vulkans Eyjafjallajökull 26km und Höhenmeter ohne Ende

7:30
Es klopft an der Tür. Ich schrecke hoch. Es ist Volkmar: "Was ist mit Frühstück?"
"Frühstück?", frage ich, als wäre diese Mahlzeit um diese Zeit abwegig. "Vergiss nicht, wir müssen uns alles mitbringen, es gibt nichts, keinen Teller keine Tasse nichts, nur Sitzplätze in der Sonne". Schöne Aussichten denke ich. "Ich werde noch kurz im Bett bleiben." Volkmar, selber noch etwas schlaftrunken, nickt freundlichen und humpelt durch das kleine Tannenwäldchen in Richtung Frühstück. Es wird heute schwer für ihn, denke ich, viele Höhenmeter liegen vor uns und es ist warm. Seine Beine sind seid Tagen fest, die Muskulatur ist überfordert und dann diese Blasen und der blaue Zeh am rechten Fuß. Es wäre vernünftig, er würde sich heute ausruhen. Aber wer will das schon, wer will das Nahliegende, das Vernünftige. Wir sind doch hier nach dem Norden, weit nach oben, in die Wüste aus Feuer und Eis geflogen, um zu laufen, um die Natur auf zwei laufenden Beinen kennen zu lernen und nicht, um als Halbinvalide hinter der Glasscheibe eines Jeeps durch die Landschaft chauffiert zu werden, oder? Damit würden wir doch die Warnungen und das Kopfschütteln, die Sorgen und Bedenken der Zurückgebliebenen nur bestätigen.

Als Läufer bist du stets und ständig Zielscheibe von Kommentaren: "Habt ihr was verloren, dass ihr so lange laufen müsst?  Vor wem lauft ihr denn eigentlich davon? Vor euch selber? Vor eurem Alter? Wo wollt ihr denn so schnell hin?" und du hast dich daran gewöhnt, dass es kein Schwein interessiert, was du eigentlich mit dem Laufsport verbindest, welche emotionale Beziehung dich an ihn knüpfen und was du für Ziele hast. Du hast dir abgewöhnt zu erzählen, welche Pace du beispielsweise bei einem Wettkampf anstrebst, welche Trainingspläne du benutzt und welches Gelände du, mit welchem Material, bezwingen wirst. Ja, bezwingen sag ich, bezwingen! Es ist zwanghaft, was da so als Freizeitspass angefangen hat und es ist mehr als ein Ausgleich es ist Sucht. Manchmal kannst du an nichts anderes mehr denken. Es ist völlig bescheuert und du bist ziemlich einsam mit deinen Läufersorgen und Geschichten, die du keinem erzählen kannst, weil sie keinen interessieren. Weil es auch völlig bescheuert ist, sich und seinen Gelenken den Strapazen eines täglichen Geländelaufes dieses Umfangs zu unterwerfen. Und so und deshalb läuft Volkmar mit seinen Blasen am Fuß und mit blauem Zeh nachdenklich durchs Tannenweltchen zum Frühstück und beratschlagt mit sich selbst, was zu tun und was zu lassen ist. Ich schaue ihm nach und denke, ein Läufer wäre sicherlich der beste Zuhörer für einen Läufer. 

8:30
Nach dem Frühstück. Wir warten. Ósk kommt nicht. Warum kommt sie nicht? Wir haben heute viel vor und werden etwas nervös.

9:15
Ich versuche die Laune hochzuhalten und mache etwas halbherzig Witze. Mein Humor verlässt mich nie. Auf meinen Humor kann ich mich eigentlich immer verlassen. Außer manchmal und dass ist gerade heute morgen. Schwierige Zeiten. Alle sind etwas müde und gezeichnet von den Tagen die hinter uns liegen. 

Wenn man jeden Tag das Selbe tut, ist der Körper zu unglaublichem bereit. Intuitiv weiß er was anliegt ind richtet sich darauf ein. Er weiß schon, dass das wieder kein Zuckerschlecken wird, aber er hat keine andere Wahl und schaltet das Getriebe auf Ausdauer und jammert nicht.

Ich habe durch meinen Beruf auf der Bühne und nicht zuletzt durch den Sport erfahren, dass man mit seinem Körper sprechen kann. Laut, oder leise, Man kann ihn überreden. Man kann beruhigen. Man kann im Mut machen. Und wenn der gar nicht mehr will, dann wird er eben krank und ist sozusagen beleidigt. Dann muss man ihm Zeit geben sich wieder zu sammeln.

9:30
Ósk Kommt völlig aufgelöst angerannt. "Der Wagenschlüssel war weg! Der Wagenschlüssel vom Jeep war weg! Ich habe einen Bus organisiert, der uns raus fährt, als alles organisiert war haben wir den Schlüssel wieder gefunden." "Ja, die Missverständnisse", sage ich "die Missverständnisse kosten Zeit. Manchmal stehen wir früh auf und es ist schon ein Missverständnis.", wir laufen das letzte Stückchen bis zu unseren Koffern zusammen.

11:00
Auch in Island ist Sommer.
Wir fahren mit dem Allrader über Gletscherflüsse bis nach Thorsmörk, Ganz in der Nähe desVulkans Eyafjjallajökull, der 2010 aussprach. Volkmar hat getan, was zu vermuten war und einen Schwimmtag aus diesem letzten Lauftag gemacht.
Zunächst, noch an der großen Hauptallee, sind rechts kleine Inseln zu sehen. "Eine davon, die siehst du jetzt nicht" sagt Hjalmar, "ist entstanden als du geboren wurdest".

Ich erzähle von Goethes Faust. Da gibt es eine Szene im zweiten Teil, in welcher Mephisto erklärt, daß die Hölle schnell zum Himmel wird bei einem Vulkan, da sich das untere nach oben kehrt. Es gibt kein oben und es gibt kein unten im Leben. Über all ist Hölle und Himmel zugleich. 

Wir sollten das Leben, leben wie es ist und nicht versuchen ein anderes nachzuempfinden sagt Ósk. "Kennt ihr Schlingensief"? werfe ich ein. "Der ist jetzt Im Himmel. Der Sonne ganz nah, aber ohne Sonnencreme, der cremt sich nicht ein, so wie wir Warmduscher, der brennt wo er auch ist gleichermaßen, auf Erden und im Himmel ." Hjalmar lacht und fragt, "sprechen wir wieder vom Theater?"

Heute ist was mit dem Auto. Hjalmar bleibt oft stecken. Mitten im Wasser. Oh Gott, da braucht man Nerven. 

11:15


Ósk erklärt den Weg. Wir laufen in die Unwirklichkeit den "Fußweg zum Mond".


Ein klleines Land hat Europa lahm gelegt. Das war 2010 beim Ausbruch des Vulkans. Kein Flugzeug durfte fliegen. Außnahmezustand wegen Island. 


Wir werden hoch zur Lava laufen, die an vielen Stellen noch dampft. Zunächst ist an laufen nicht zu denken. 1000 Höhenmeter legen wir in schnellem Schritt, Stufe für Stufe zurück.  Ich erreiche fast Maximalpuls. Es wird kalt.



... Und wir sehen erste Ausläufer des Vulkans von 2010.


Man kann Schnee zu Eis machen, wenn man die Flaschen auf die warmen Lavagesteine legt. Wir haben eigentlich immer Durst. Die Sonne scheint in Island intensiver. Man braucht für 10km mindestens 0,5 Liter.


Ich gebe zu, ich habe die Schneeneurose noch nicht überwunden. Der letzte Winter Deutschland  war einfach zu heftig. Deshalb versuche ich die Schneewege oben auf dem Pass schnell hinter mich bringen. Der Schnee lässt sich schwer laufen. Er ist unberechenbar und nass. Die Wasservorräte sind zu Ende. Bald aber erwarten uns kühle romantische Bäche. Wenn es erst mal Berg ab geht.


Die Kunst Berg ab zu laufen ist eine eigene. Ósk beherscht sie und bringt es mir bei. Dabei ist es wichtig nicht zu viel abzubremsen. Man muss sich nach vorne fallen lassen. Bremst man zu sehr ab staucht der Körper und die Verletzungsgefahr steigt. 


Die Wasserfälle sind athemberaubend. Die Muskeln werden müde und ich freue mich über jede Pause. 


Wanderer begegnet uns und klatschen uns zu wenn wir vom Gefälle getrieben vorbei rauschen. Es wird viel gelacht am Berg. Man ist freundlich zueinander. Man teilt den gleichen Weg. Egal in welche Richtung es geht. 


Melancholie ergreift mich. Die sieben Lauftage neigen sich ihrem Ende. Es ist wieder warm geworden. Und der Parkplatz ist in Sicht. Hjalmar ruft "Hey", er liegt im Gras und kaut auf einem Ast. Der Jeep steht bereit. Jetzt liegen noch 2 Sunden Fahrt vor uns. Am Abend werden wir in Reyjkjavik sein.












Island Laufreise 7.Tag, ein Tag im Naturreservat Fjallabak 30km

Im Morgengrauen wache ich auf und denke ich spinne. Halsschmerzen ohne Ende. Ich krame nach "Fischerman'ns Friend" und schlafe weiter. Jetzt bloß nicht krank werden. Wir haben noch zwei Lauftage. Haben schon über 100 km hinter uns. Das wäre doch gelacht. 

Ich weiß nicht wie spät es ist als ich das zweite Mal aufwache. In unserem kleinen überfüllten Raum macht sich leises Murmeln breit. Von Hektor dem stillen Franzosen, der über mir schläft hört man noch ein leichtes Hauchen. Selbst das Schlafen tun die Franzosen irgendwie feiner. 


Der Rythmus ist das Entscheidene. Der Körper holt sich die Kraft aus dem Gleichklang der steten Wiederholung. Ob man trommelt, oder maschiert, ob man in die Hände schlägt, ob man geht, singt, oder läuft. Fast bin ich geneigt von einem tranceähnlichen Zustand zu sprechen. Ich habe in unserem sagenumwobenen Winter 2013 zwei 30 km Läufe auf dem Laufband gemacht, um dieses Gefühl zu trainieren. Kraft und Ausdauer entstehen durch den gemeinsamen Klang zwischen Herz, Seele und Körper. Die Physis braucht die Psyche und umgekehrt. So, wie man die Dinge vor Gericht klärt, würde ich den körperlichen Prozess beschreiben: Es muß geschehen in beiderseitigem Einvernehmen.



Flußüberquerungen werden zur Routine.


Riesige Scheebrocken bei 25 Grad Celsius.

Wir machen an einem Bach mit grüner Wiese halt und Ósk schlägt vor, dass wir uns vor dem großen Aufstieg nochmal dehnen. Volkmar schaut skeptisch und murrt. "Was man nicht beherrscht, sollte man nicht übertreiben." Ich kichere und fange nochmal die Geschichte von den Dänen an, welche unter schweren Bedingungen, noch vor unserer Zeitrechnung, das Dehnen erfanden...


Wenn man etwas nicht, oder noch nicht kennt ist man geneigt zu sagen: "das ist ja wie..., das sieht ja aus wie.., das erinnert mich an... ." Der Mensch sucht stetig nach Verbindungen. Verbindungen schaffen Befriedigung und sind im eigentlichen Sinne wertlos, denn jedes und alles sollte für sich stehen.

Dennoch hinkt mein Beispiel, denn man könnte doch auch von Wiederholungen sprechen. So wie die Musik Phrasen innerhalb eines Musikstückes variiert und wiederholt, so wiederholt sich auch die Natur. Die Landschaft rund um Reyjkjavik vereinigt viele Länder und deren Erkennungswert miteinander, sie wiederholt Schottland, zitiert Kanada, vielleicht auch Irland, ich bin geneigt zu sagen die Sahara, erwähnt den Mond, den Mars, ahmt nach um letztlich doch einzig zu sein: Island.


Wir kommen in eine Gegend der Schlammlöcher. Ósk bittet uns die Augen zu schließen: eine Symphonie von Blubbern und Blasen. Heiß und gefährlich, wie schlecht gelaunte Katzen, fauchen sie zuweilen, nach einem Zeitmaß, ihnen allein bekannt,  unwillkürlich aus ihren Löchern.


Ósk ermahnt uns dicht hinter ihr zu gehen. Die Löcher sind lebengefährlich.

Sind diese Saugnäpfe der Zugang zur Hölle? Ich hab's! Ja, natürlich, dass muß sie sein und ich habe sie gefunden, die Pforte zur Hölle! Mit feurigen Adern werden diese brodelnden Ungeheuer ihr Opfer ins Erdinnere saugen, erbarmungslose Rechenschaft fordernd. Ich habe heute Geschichte geschrieben. Ich, der Halbiraner aus Dresden, der berlinernde Sachse vom "Weißen Hirsch," habe unter unmenschlichen Bedingungen, am 25. Juli Anno 2013, um 14.02 Uhr isländischer Sommerzeit, bei minus 26 Grad Celsius, nur mit einer Badehose bekleidet, erst mit dem rechten, dann mit dem linken Auge, zuletzt dann doch mit beiden die "Straße zur Hölle" entdeckt. 

Wir warten am Ziel unseres Laufes vor einem Flussbett frierend eine Stunde auf Hjalmar und beschließen ein Auto anzuhalten, welches uns aufnimmt. Zufällig und folgerichtig erscheint ein Rettungswagen. Die Räder reichen mir bis zur Schulter. Die Männer helfen gern, wir steigen ein und werden mit monströser Überlegenheit über das Flussbett gefahren. Jedes Kind möchte mal mit so einem Riesen fahren. Hjalmarr stirbt tausend Tode, als er uns am Flussufer aussteigen sieht. Was ist passiert? Nichts, wir haben auf dich gewartet und wir waren nass geschwitzt, aber das Frieren war uns diese Fahrt wert.


Am Abend sind wir zu Gast im Landhaus bei Ósk's Eltern. Alles ist liebevoll gedeckt und großherzig bedacht. Der Hausherr, ein ehemaliger Architekt erklärt stolz die Bilder an der Wand und mir wird einmal mehr klar, wie verbunden die Isländer mit ihrer Natur sind. Die Hausherrin schneidet frischen Salat im Garten. Wir essen trinken und lachen.


Abends, als selbst die Isländische Nacht ihr Licht löscht, sitzen wir am Kamin. Es ist gemütlich und man genießt die Gastfreundschaft.


Bis bald! Bis dann! Bis irgendwann! Wir fahren ins Quartier. Danke.